Nachrichten

Reden – Hören / von Superintendent Andreas Beuchel


1. Juli 2021

Mein Nachbar kommt vorbei und fragt: „Wie war es?“ Ich freue mich über sein Interesse und weil er wirklich schön war – der Urlaub. Gerade will ich erzählen, vom Meer und von den Städten. Da sagt er schon: „Ich habe auch etwas Tolles erlebt.“ Und dann erzählt er und erzählt und erzählt.

Ähnliches empfinde ich bei Fragen „Wie geht es dir?“ oder „Geht es gut?“ Sie klingen zunächst wie eine Einladung, der andere will mir zuhören, ist aber doch oft nicht mehr als ein freundlicher Gruß.

Wie gut tut es dagegen, wenn Menschen einem wirklich zuhören können.

In diesem Moment fühlen wir uns ernst- und angenommen. Allerdings sie werden nur das erfahren, was wir bereit sind von uns zu erzählen bzw. preiszugeben. Das setzt  Vertrauen voraus.

Verstehen und Verstanden werden ist eine wichtige Erfahrung, die aus Einsamkeit und Isolation herausführt und gemeinsames Leben erst ermöglicht. Es ist schön, wenn jemand sagt: Komm, erzähle! Und es dann zu einem Gespräch kommt mit wechselseitigem Reden und Hören.

Das kann ich auch im Gespräch mit Gott – im Gebet erleben. Ich glaube, dass Gott mir zuhört. Das heißt: ich kann ihm alles erzählen. Gott hört aber auch anders. Er hört auch das was ich nicht, noch nicht sagen, zeigen kann. Auch nicht mir selbst.

„Gott weiß, was ihr braucht, noch ehe ihr ein Wort dafür findet“(Matth. 6,8), sagt Jesus einmal. Das macht mir Mut in Ruhe seine Nähe zu suchen.

Gespräch mit Gott muss nicht nur Erzählen – es kann auch ein Hören z.B. auf mein Inneres sein. Und wenn mir wirklich einmal die Worte fehlen und ich nicht weiß, was ich ihm sagen soll? Dann finde ich in der Bibel oder im Gesangbuch Gebete, die ich sprechen kann, wie:

„Danke für diesen guten Morgen, danke für jeden neuen Tag, danke, dass ich all meine Sorgen auf dich werfen mag.“ (EG 334)

Bildrechte: Thomas Herold