Röhrsdorf

roersdorf01

Im Zuge der fränkischen Besiedlung um 1200 gegründet und 1346 erstmals als Rüdigersdorf erwähnt, hatte Röhrsdorf bereits seit ältester Zeit ein Holzkirchlein, das mehrfach repariert und vergrößert wurde.

Dank des Einsatzes des Kirchenpatrons Johann August von Ponickau auf Schloß Klipphausen wurde 1737-1739 eine neue, wesentlich größere Kirche gebaut. Sie ist bis heute original erhalten geblieben. Die Bauleitung hatte damals der Landbauschreiber J. C. Simon; die Gestaltung lag in den Händen von Hofbildhauer Benjamin Thomae. Ihm verdankt unsere Kirche den Taufengel, die Kanzel und den frei im Raum stehenden Altar.

Nachdem bereits von 1986 bis 1989 das Kirchenschiff außen und innen allein mit kirchgemeindlichen Kräften und Mitteln erneuert worden war, konnten 1995 der Kirchturm grundlegend saniert und 1999 das Sakristeidach neu gedeckt werden. Nun strahlt die barocke St. Bartholomäuskirche mit ihrem Ocker inmitten des Friedhofes und des nach 1987 mit fast 60 in Deutschland heimischen Gehölzen neu aufgeforsteten "Lindenberges" weit über das Dorf hinaus ins Wilsdruff-Meißner Land. Gerade 260 Jahre alt zeugt sie vom Gottvertrauen und Gestaltungswillen der Kirchgemeinde Röhrsdorf mit Klipphausen.

Das 1694 entstandene und mehrfach umgebaute Pfarrhaus wurde 1994 gründlich saniert und bildet zusammen mit dem Seitengebäude, der Kirche und dem Friedhof ein Ensemble barocker Schönheit und dörflicher Idylle.


Johann Benjamin Thomae

Johann Benjamin Thomae wurde 1682 in Pesterwitz bei Dresden geboren. Er lernte von 1694-97 den Beruf eines Kunsttischlers in Dresden. Danach arbeitete er ab 1700 als Geselle in der Werkstatt von Balthasar Permoser. Dort war er dann jahrelang tätig und wurde nach Fitz Löffler im Zwinger der "wichtigste Mitarbeiter des Meisters".

Mit dem Zwingerbaumeister Matthäus Daniel Pöppelmann unternahm er 1716 -17 eine ausgedehnte Studienreise nach Frankreich. Im Jahre 1723 wurde der vielseitig begabte Thomae zum Hofbildhauer August des Starken berufen. "T. ist einer der herausragenden Meister der sächsischen Barockbildhauerei, nimmt sowohl zeitlicher als auch stilistischer Hinsicht eine Schlüsselposition ein." Als Meister bildete Thomae u.a. Den Porzellanmodelleur Johann Joachim Kaendler (Schöpfer des Epitaphs der benachbarten Kirche zu Naustadt) und den Architekten Gottfried Knöffler aus.

Seine wichtigsten Werke finden sich im Dresdner Zwinger, an der Dreikönigskirche Dresden, im Barockgarten Großsedlitz und im Jagdschloss Moritzburg. In weiteren zahlreichen profanen und sakralen Bauten war er z.T. federführend beschäftigt. Er arbeitete außerdem für die Meißner Porzellanmanufaktur und als Bild- und Möbelschnitzer. Johann Benjamin Thomae starb 1751 in Dresden.


Taufengel

Taufengel wurden in den protestantischen Ländern Norddeutschlands und im Norden Europas vor allem im 18. Jahrhundert gefertigt. Besonders in Dorfkirchen fanden sie weite Verbreitung. Da in der Regel nur einheimische oder regional bedeutende Künstler Taufengel schufen, stellt der Taufengel von der Hand des sächsischen Hofbildhauers auch qualitativ eine Ausnahme dar.

"Die Bildgestalt des Taufengels wurzelt im protestantischen Text- und Liedgut mit dem bis ins 18. Jahrhundert Tradierte Engelsverzeichnis. Das neuartige Taufgerät hatte in seiner Gestalt und Funktion eine auf das Sakrament gerichtete didaktische Aufgabe zu erfüllen. Die Vermittlung des luth. Taufverständnisses, das bisher allein dem Wort und der Taufzeromonie vorbehalten geblieben war, konnte mit dem Gebrauch des T.s. in dem sich theologisch-pädagogische Absichten mit dem frommen Bildverständnis der Gemeinde trafen, auch mittels eines greifbaren Zeichen (signum vsible), das die bildhafte Veranschaulichung des Heilsgeschehens ermöglichte, verfolgen."

Der Taufengel befindet sich im Gewölbe vor dem Altarraum. Er wird zur Taufe an einem Seil herabgelassen.

Besichtigungen: Die Kirche ist in der Regel bei schönem Wetter tagsüber geöffnet, sonst sind Besichtigungen über das Pfarramt (direkt neben der Kirche) möglich.
Gottesdienste: sonntags 8.30 oder 10.00 Uhr im Wechsel mit Naustadt und Sora