Riesa-Pausitz

riesa-pausitz"Pausitz, an der Jahnabach 1/2 Stunde von Riesa gelegen, ohnfehlbar sorben-wendischen Ursprungs, rührt in alten Urkunden den Namen Pausewitz, Pauschitz, Bauschitz" (aus einer Ortsbeschreibung um 1830).

Die erste hiesige Kirche war eine zum Kloster Riesa gehörige, dem heiligen Martin (Bischof zu Tours, der 373 - 400 n. Chr. lebte) geweihte Kapelle. Die Darstellung des Heiligen Martin als jugendlichen Reiter zu Pferde geht auf eine Legende zurück, nach der Martin vor den Toren von Amiens Christus in Gestalt eines Bettlers erschien. Mit dem Schwert teilte er seinen Mantel, um den frierenden eine Hälfte zu geben. Der Ritterheilige wurde als Patron der Soldaten, Schneider und Bettler verehrt und galt als Schutzheiliger der Winzer; in seiner Funktion erlangte er sicher auch Bedeutung für die Region um Riesa.

Die erstmals im Jahre 1254 erwähnte Kirche zu Pausitz hatte bis zur Zeit der Reformation zwei Altäre, von denen der eine in der Sakristei stand und 1597 für 10 Thlr. 15 Gr. an die Riesaer Filialkirche zu Weida verkauft wurde.

Von 1752-1755 wurde an die Stelle der immer mehr und mehr verfallenden und in ihrem Raume sehr beschränkten Kapelle das gegenwärtige, sehr gute, mit einem schönen Turm versehene auf einer Anhöhe liegende Gotteshaus errichtet. Es ist im Lichten 48 1/2 Elle lang, 19 3/4 Elle weit und 15 1/4 Elle hoch, und wurde mit einem dem Aerario [Kirchenkasse] entnommenen Aufwand von 7468 Thlr. 14 Gr. 1/2 Pf. aufgeführt.

Die Orgel wurde von dem Königlichen Hof- und Landorgelbaumeister Ernst Hänel erbaut und kostete 912 Thlr. 10 Gr. Das Orgelgehäuse, das, sowie der steinerne Taufstein nebst hölzerner kunstreich gearbeiteter Decke, eine Bildhauerin aus Lommatzsch, die Frau Mayin fertigte, kostete 140 Thlr., der Taufstein 40 Thlr.

Der Bau des 47 m hohen Kirchturmes erfolgte erst 1774.

1912 wurde die Kirche durch den Architekten Woldemar Kandler instand gesetzt, wobei die Orgel ihren jetzigen an der Westseite befindlichen Standort erhielt. Der bis dahin weiß gehaltene Innenraum erhielt farbigen Schmuck. Acht Denkmale, Epitaphien derer von Schleinitz, von Kötteritz, der Pastoren Saalbach und Otto sowie eines Herrn von Schertwitz (ein an hitzigem Fieber und Friesel 1757 verstorbener Leutnant) sind rechts und links an den Innenwänden des Kirchenschiffes eingelassen.
Die zu Pausitz gepfarrten Orte sind Böhlen, Gostewitz, Jahnishausen, Kalbitz, Nickritz und Oelsitz.


                                                                  Disposition der Orgel zu Riesa-Pausitz