Zwei mal Zwanzig macht 287

Von Johannes Grasemann
Was war das für ein fröhlicher und bunter Septembermonat rund um den Lutherplatz in Riesa! Gleich zwei Jubiläen konnten gefeiert werden: 20 Jahre Trinitatisschule Riesa und 20 Jahre Trinitatiskinderhaus. Trinitatis – ein Fremdwort für die meisten – bedeutet Trinität und umschreibt die dreifache Gestalt des christlichen Glaubens, der von Gott Vater, Sohn und Heiligem Geist spricht. Wenn man so will: ein dritter im Bund neben Kinderhaus und Schule wäre auch noch das Seniorenhaus Albert Schweizer der Diakonie in unmittelbarer Nähe der Trinitatiskirche Riesa. Es geschah im 7. Jahr nach der Wende. Einige mutige Eltern gründeten einen Schulverein, der es schließlich schaffte, eine christliche Schule ins Leben zu rufen. Das brauchte eine ordentliche Portion Gottvertrauen. Inzwischen ist die Grundschule mit 187 Kindern und 13 Erzieherinnen nicht mehr aus Riesa wegzudenken. Ein Tag der offenen Tür ließ vor allem die „Erst-Besucher“ staunen über die Farbigkeit, Kreativität und das Konzept dieser Schule. Vom Trommelraum bis zum Hühnerstall im Hof, vom Tanzraum bis zum Schülerkaffee. Die Atmosphäre in diesem Haus – einfach wohltuend. Mitreißend war schließlich das Konzert in der Trinitatiskirche. Stefan Jänke hatte seit Anfang des Jahres mit den Schülerinnen und Schülern ein buntes Programm einstudiert. Dann standen 140 Helden auf der Bühne in der Kirche und sangen heldenhaft, fröhlich, auswendig von großen und kleinen Helden. Nur eine Woche später feierte das TrinitatisKinderhaus sein 20jähriges Bestehen. Eine christlichen Kindergarten der Kirchgemeinde gab es schon seit dem letzten Krieg. Aber das traumhaft schöne Gebäude auf dem ehemaligen Militärgelände an der August-Bebel-Straße gibt es nun auch seit 20 Jahren. Die Kirchgemeinde nahm damals ordentlich Schulden auf, fand aber nicht nur den richtigen Architekten, sondern auch viele Helfer, die am Haus mitbauten. Selbst die Lehmziegel für das ökologisch konzipierte Gebäude wurden selbst hergestellt, der Quark für die Farben gerührt – ja und Spenden flossen ebenso wie der Segen. Denn das können wir ganz fromm so sagen: Es lag und liegt Segen auch auf diesem Haus, in dem heute 100 Krippen- und Kindergartenkinder ein- und ausgehen. Die Jubiläumsfeier fand ihren Höhepunkt in einem Familien-Picknick bei schönstem Wetter, zu dem sogar der Riesaer Riesa kam und mitsang - und dann am Sonntag schließlich im Familiengottesdienst. Dieser begann mit Geläut und Bläsermusik im Kindergartengelände. Ein Kirchvorsteher trug das Kreuz, die Polizei sperrte die Straße – und so zog eine fast endlos scheinende Menge großer und kleiner Menschen in die Trinitatiskirche. Dort feierten wir einen Gott-sei-Dank-Gottesdienst. Allen ein unvergesslicher Tag, zumal es im Anschluss draußen noch Frei-Eis für die Kinder gab. Das war was! 2x20 ergibt 40. Rechnet die man die Kinder dazu, die in diesen Jahren in Schule und Kindergarten ginge, kommt allerdings ein ganz anderes Ergebnis zustande. Riesa kann sich glücklich schätzen über das, was rund um den Lutherplatz geschieht.

Johannes Grasemann ist Pfarrer in Riesa und Strehla