Sich auf eine neue Situation einlassen

Gott spricht: Ich schenke euch ein neues Herz und lege einen neuen Geist in euch.   (Hesekiel 36,26) Jahreslosung 2017

Von Johann Stein

Seit Beginn diesen Jahres begleitet mich die Jahreslosung im Krankenhaus in besonderer Weise. Wie eine Herausforderung geht sie mit in die Krankenzimmer und Besuche der Patienten. Eine Erkrankung zieht es mit sich, dass die Betroffenen sich mit der eigenen Situation auseinandersetzen müssen. Manch „Beinbruch“ ist reparabel, aber hinterlässt auch Spuren und Narben.

Anderes ist eben kein „Beinbruch“ und benötigt Zeit zur Gesundung. Hüfte und Knie können ersetzt werden und dann bedarf es immer gut ein Jahr, bis auch der Kopf das künstliche Gelenk eingearbeitet hat. Und manche Erkrankung ist der Beginn einer langen Begleitung. Eine Krankheit, die, wie ein General, jeden Tag sagt, wo es lang geht, wie es geht und was maximal möglich ist.

Krankheit nimmt den Menschen heraus aus seinem täglichen Leben und Erleben. Die gewohnte Struktur des Tagesablaufes wird unterbrochen und die Patienten haben sich in den Krankenhausalltag einzufügen. Dazu die Ungewissheit, was die Erkrankung macht. Im Krankenhaus dann ein Bett, ein Schränkchen, ein variables Tablett. In Regel Mitpatienten in der vergleichbaren Situation. Und mit der Klingel beginnt der Stress.

Nicht immer ist es das neue Herz, das hier benötigt oder transplantiert wird. Es wird jedoch im Krankenhaus manches in ein anderes, vorher nicht da gewesenes Licht gerückt und somit für die Patienten Neu. Eine neue Hüfte, eine neues Knie, ein neuer Umgang mit dem eigenen Leiden und Erleben. Eine neue Orientierung, eine neu sich mit der Krankheit arrangieren. Herz und Geist werden aufgefordert, eine neue, andere Lebensherausforderung anzunehmen und in den täglichen Ablauf zu integrieren.

„Ich habe mich der Herausforderung gestellt,“ so ein Patient. Er hat nach einer Darmoperation einen Seitenausgang, der Aufmerksamkeit und Pflege braucht, dazu Einschränkungen bringt. „Anfangs war ich voller Scham, hatte Angst im Umgang damit. Aber jetzt, nachdem ich es akzeptiert habe, lebe ich damit und nicht dagegen.“   Und er ist es, der die Jahreslosung ins Gespräch bringt. Für ihn die Aufforderung, sich auf seine Situation einzulassen.

Johann Stein ist Pfarrer

Krankenhausseelsorger an den Elblandkliniken