Eine feste Burg ist unser Gott…

Von Katrin Däßler

Holt dieses Lied im Lutherjahr noch jemanden hinterm Ofen vor? In den Gemeinden des Kirchspieles Wilsdruffer Land schon, da wir dieses Lied in vielfältige Form für einige Gemeindeglieder erlebbar machten. So bauten wir z.B. mit den Kindern des evangelischen Kinder- und Familienhauses St. Katharinen in Kesselsdorf im Rahmen unseres Sommerprojektes „ Das Leben im Mittelalter zu Luthers Zeiten“ eine große begehbare Burg aus Papprollen und Eierpappen. Da durften Wachtürme genauso wenig fehlen, wie die Zugbrücke oder die Schießscharten. Der Fantasie waren keine Grenzen gesetzt. Vorausgegangen waren die Besichtigungen von echten Burgen und Kirchen, um die Bauweise der damaligen Zeit zu erforschen. Was macht denn so eine Burg so fest, dass man sich sicher fühlen konnte? Und wie wurde zu Luthers Zeiten gebaut – ohne Kräne, Autos und Computer? Es war eine spannende Zeit für die Kinder, aber ebenso für uns als Erzieher und für die Eltern, die durch die begeisterten Berichte der Kinder eingebunden wurden und uns in vielem tatkräftig unterstützten. Wo ist z. B. das Namensschild an einer Burg angebracht? Wir entdeckten die Wappen und deren Entstehung. Natürlich schauten wir uns da auch das Wappen der Familie Luther, uns bekannt als Lutherrose, an. Und damit wir es begreifen können – pflanzten wir sie auf die Wiese vor unser Kinderhaus, damit sie uns die gesamte Projektzeit begleitet. Dabei unterstützten uns auch wieder die Eltern und so waren viele eingebunden. Die Kinder bauten über mehrere Tage und waren später eifrig dabei die, Burg zu erstürmen oder zu verteidigen.

Auf ganz andere Weise wurde das Lied für einige Chormitglieder begreifbar, im wahrsten Sinne des Wortes. Auf unserer 9 tägigen Chorreise nach Rumänien erstürmten wir auch einige der alten Kirchenburgen in Siebenbürgen und lernten dort, dass in diesen , als Verteidigungsanlagen gebauten Kirchenburgen, in Deutsch-Weißkirch (Viscri) und Tartlau zum Beispiel, die Kirchen der Mittelpunkt und der Aufbewahrungsort für alle Schätze waren. In Belagerungszeiten zog das ganze Dorf in die Burg und alles Leben spielte sich innerhalb der sicheren Mauern ab. Gold und Schätze, aber auch haltbare Lebensmittel lagerten in der Kirche. Für die Menschen damals war die Kirche der Mittelpunkt des Lebens. Wenn wir dann als Chor dort unsere Lieder gesungen haben, konnten wir spüren, dass Kirche Schutz bieten kann. Erfüllt von den Eindrücken, die diese Bauten bei uns hinterlassen haben, aber auch von der wundervollen Landschaft Rumäniens , den Klöstern und wunderschönen interessanten Städten mit Kirchen und moderner Architektur und den zahlreichen herzlichen Begegnungen kehrten wir erfüllt heim. Wir hoffen, dass wir in unseren Gemeinden diese Erlebnisse weitergeben und danach leben können, damit das alte Lutherlied von der festen Burg lebendig bleibt, nicht nur zum Lutherjubiläum.

Katrin Däßler ist Landessynodale im Kirchenbezirk Meißen-Großenhain