Dialog der Konfessionen

Julius Pflug und die Reformation

Von Dieter Kröhnert

Im Jubiläumsjahr der Reformation gibt es in Zeitz eine Sonderausstellung über den ökumenisch gesinnten katholischen Bischof Julius Pflug. Dieser katholische Bischof brachte in der ersten Hälfte des 16. Jahrhunderts die sich immer weiter abspaltende protestantische Kirche und die katholische Kirche miteinander ins Gespräch. Sein Ziel war es, beide Kirchen zu einer gemeinsamen neuen Kirche zu führen.

Der katholische Bischof Julius Pflug war ein großer und vielseitiger Gelehrter. Aufgrund seiner Gelehrsamkeit und seines diplomatischen Geschicks hatte er Verbindungen zum deutschen Kaiserhaus, zu Fürstenhäusern sowie katholischen und evangelischen Gelehrten. Sein Bestreben, die junge protestantische Kirche wieder mit der katholischen Kirche zu einen, machte ihn weltbekannt. Er nahm an vielen wichtigen Religionsgesprächen der ersten Hälfte des 16. Jahrhunderts teil und hatte meist auch den Vorsitz. Von beiden Seiten war er sehr geschätzt.

Da ein Zweig des Geschlechtes Pflug über viele Jahrhunderte die Patronatsherrenschaft über die Strehlaer Kirche hatte, weist ein großer Teil ihrer Inneneinrichtung auf diese Familie hin. So ist es nicht verwunderlich, dass in der Ausstellung in Zeitz zwei Bilder aus der Strehlaer Kirche zu sehen sind.

Am 10. Juni – die Ausstellung war noch nicht eine Woche alt – fuhren 30 Interessierte aus Strehla du Riesa zur Ausstellung „Dialog der Konfessionen – Julius Pflug und die Reformation“ nach Zeitz. Aus der geplanten zweistündigen Führung wurden fast drei spannende Stunden.

Die Ausstellung zeigt anschaulich die oft sehr polemische Auseinandersetzung im 16. Jahrhundert zwischen beiden Kirchen. Dem jeweils anderen wurde vorgeworfen, mit dem Teufel im Bunde zu sein. Doch weit schlimmer als die Polemik der Verteufelung waren die daraus folgenden gewaltsamen Auseinandersetzungen.

So ist das Anliegen des katholischen Bischofs Julius Pflug in dieser Zeit des Kampfes höchst bemerkenswert. Er suchte im gemeinsamen Gespräch, also auf friedliche Weise, beide Konfessionen zu einer neuen Einheit zu führen. Missstände in der alten Kirche sollten abgestellt und reformatorische Gedanken Luthers aufgenommen werden.

Beeindruckt hat mich in der Mitte vom „Dialograum“ ein begehbarer Kristall, der aus 45 dreieckigen Glasflächen besteht. Dieser Kristall steht für eine zukünftige Ökumene, in der nicht mehr der Papst in Rom der Mittelpunkt ist. Die Ökumene gleicht einem Polyeder, der das eine darauf fallende Licht in wunderbar vielfältiger Weise widerspiegelt. Erstaunlich: Dieses Bild einer zukünftigen Ökumene geht auf ein Wort von Papst Franziskus zurück!

In diesem begehbaren Kristall sind Stimmen zur Ökumene zu hören, so neben dem Hinweis auf Papst Franziskus auch eine Äußerung des katholischen Theologen Walter Kaspar: „Die Einheit ist heute näher als vor 500 Jahren. Sie hat bereits begonnen. Wir sind 2017 nicht mehr wie nach 1517 auf dem Weg zur Trennung, sondern auf dem Weg zur Einheit. Wenn wir Mut und Geduld haben, werden wir am Ende nicht enttäuscht werden. Wie werden uns die Augen reiben und dankbar staunen, was Gottes Geist, vielleicht ganz anders als wir es uns ausgedacht haben, zuwege gebracht hat.“ (Walter Kardinal Kasper: Martin Luther, Patmos 2017, 3. Auflage, S. 70f.).

Dieser Blick auf die EINE KIRCHE ist bei allen Feierlichkeiten im Jubiläumsjahr der Reformation das größere Ziel.


Dieter Kröhnert, Pfarrer in Riesa und Strehla