Luther – Das Pop-Oratorium

Reformationsjubiläum einmal anders

Von Clemens-Michael Kluge
Dass 2017 das 500. Jubiläumsjahr der Reformation ist, ist inzwischen hinlänglich bekannt. Auch in der Region hat es inzwischen zahlreiche Veranstaltungen dazu gegeben. Als regionaler Bezugspunkt kommt die hohe Wahrscheinlichkeit hinzu, dass die Ehefrau Luthers Katharina von Bora in Hirschfeld (Gemeinde Reinsberg) geboren wurde und ihre Familie aus Deutschenbora stammt. Der Sächsische Lutherweg hat Hirschfeld bereits aufgenommen, Deutschenbora soll noch folgen. Internet: www.lutherweg.de In der Reihe der Veranstaltungen zum Jubiläum stellte die Aufführung des Pop-Oratoriums Luther in Krögis (11.06.) und Nossen (18. und 25.06.) eine Besonderheit dar. Unter der Leitung von Felix Werner haben über hundert Sängerinnen und Sänger und Solisten über Monate zuvor dieses Werk einstudiert und es dann einmal in Krögis und zweimal in Nossen bei jeweils sehr gut gefüllter Kirche aufgeführt. Die Sängerinnen und Sänger kamen nicht nur aus verschiedenen Kirchgemeinden der Region, sondern waren auch aus den verschiedenen Konfessionen zusammengekommen oder haben keine kirchliche Anbindung. Das Projekt war ganz bewusst für alle offen gestaltet worden. Neben der Geschichte des Reformationsgeschehens um die Person Luther waren in den Texten der Lieder viele Anknüpfungen an die Gegenwart gegeben. Die Reformation von damals gibt den Impuls, darüber nachzudenken, was heute der Re-Formierung, der Umformung, der Veränderung bedarf. Das kann im persönlichen Leben sein: Indem wir entdecken, dass bisherige Sichtweisen oder Überzeugungen nicht unumstößlich sind, setzen wir große Potentiale für Neues in unserem Leben frei. Das gilt auch für unser gemeinsames Leben: Wir brauchen dringend überall Menschen, die mit ihren Gedanken, Fragen, Ideen und neuen Sichtweisen das Bisherige infrage stellen. In der Kirche, in der Gesellschaft, in allen Gemeinschaften, in denen wir dabei sind. Wir brauchen die Diskussion über Glaubensinhalte, gesellschaftliche Fakten, unsere Lebens- und Denkweise. Auch wenn das anstrengend und unbequem ist. Reformation ist nicht nur ein geschichtliches Ereignis, sondern sollte ein Dauerzustand in Gesellschaft und Kirche und auch in unserem persönlichen Leben sein. Dass Martin Luther seine Überzeugung vehement vertreten hat, ist in der Geschichte durch den Satz „Hier stehe ich und kann nicht anders! Gott helfe mir, Amen!“ zusammengefasst und überliefert worden. Seine Herangehensweise ist jedoch keine Einladung zum bloßen Querulantentum, denn seine Überzeugung erwuchs aus seinem gründlichen Studium der Bibel. Er hat sich also zuerst intensiv mit dem Thema Christlicher Glaube befasst und ist erst dann zum Überzeugungstäter im besten Sinne geworden. Mit der Frage „Luther, Luther, wer ist Luther…?“ und der fröhlichen Zusammenfassung des reformatorischen Inhalts „Wir sind Gottes Kinder, wo auch immer, keiner ist allein“ ruft das Pop-Oratorium Luther von Daniel Falk und Michael Kunze dazu auf, den eigenen Standpunkt, die eigene Sichtweise fröhlich und mutig im eigenen Leben umzusetzen und in das Gemeinsame hör- und vernehmbar einzubringen.

Clemens-Michael Kluge, Pfarrer in Nossen und Deutschenbora-Rothschönberg