Glaube hat die Farbe „Bunt“

Von Pfarrer Dr. Jochen Hahn

Nein, nicht schwarz, mit dem Kirche oft verbunden wird. Freilich, manchmal sehen wir auch Schwarz im Hinblick auf die Zukunft einer zerfurchten Natur oder  kriegszerrüttete und fliehende Völker. Aber das soll - um Gottes Willen - nicht unsere Zukunft sein. Leben soll bunt sein und im Glauben dürfen wir Farbe bekennen. Es ist wohltuend, wenn dies hin und wieder sichtbar wird in Kirche und Gesellschaft. In den vergangenen Wochen durften wir in der Nossener Region wunderbare Farbtupfer erleben und mitgestalten. Mitten auf der großen Wiese im Klosterpark Altzella sitzt eine bunte Gesellschaft von mehreren hundert Menschen und feiert im Reformationsjahr einen Gott, der uns Menschen ohne eigene Vorleistung einen unendlich großen Wert zuspricht. Luther war höchstpersönlich zu Gast und hoch erfreut, dass sich da immer noch Menschen versammeln, die ihrem Leben durch Jesus Christus Farbe geben wollen. Etwas irritiert wirkte er allerdings, dass Glaube und Dankbarkeit unter den Menschen dennoch sehr rar geworden sind, hätten doch die meisten Leute allen Grund zum Loben und Danken. Denn wohlgenährt sehen sie aus, die Menschen hier, bestens gekleidet, unterwegs mit rollenden und teuren Vehikeln auf blitzsauberen Straßen. Na ja, hier könnte noch etwas mehr Farbtiefe ins Herz kommen.  Immerhin ist Gott nicht ganz aus dem Blickfeld verschwunden. Da gibt es z. B. eine Ortsfeuerwehr in Starbach, die – bereits zum wiederholten Male -  in ihrem Gerätehaus, zwischen Schutzanzügen und Helmen, einen Dankgottesdienst feiert, diesmal anlässlich ihres 75jährigen Bestehens. Zusammen mit dem Posaunenchor und Kurrendekindern erlebt eine bunte Gesellschaft aus Christen wie Nichtchristen eine Feierstunde, in der sich der Himmel Gottes einen Spalt weit öffnet. Hier bei der  Feuerwehr hat der Glaube natürlich die Farbe Rot. „Gott ist die Liebe, und wer in der Liebe bleibt, bleibt in Gott“ (1. Joh. 4,16). Ganz unerwartet und ungeahnt kommt so der Dienst der Feuerwehr in die Nähe zu einem Gott, der genau dort ist, wo Nächstenliebe in die Tat umgesetzt wird. Hier gilt: „Wenn ich Rot sehe, denke ich an Gott“. Wie schön, wenn wir diesen Gott feiern können, fröhlich und getrost zugleich. Da wimmeln zum kürzlich erfolgten Gemeindefest der Region Rüsseina-Raußlitz-Wendischbora  auf dem herrlichen Rüsseinaer Pfarrgelände die die Generationen durcheinander, basteln Kräuterkränze, lassen sich bemalen, spielen und reden miteinander oder treten im Staffelspiel gegeneinander an. Am Ende steht der Segen Gottes über alle, Christen wie Nichtchristen. Nun sind wir gespannt auf eine neue „bunte Truppe“. Vom 28. Juli bis 3. August werden über 40 lettische Christen bei uns im Kirchenkreis zu Gast sein. Sie kommen als Partnergemeinden der Kirchgemeinden Meißen Johannes, Gröbern und Rüsseina/Raußlitz/Wendischbora. Hier begegnen sich Christen mit durchaus unterschiedlichen Glaubenstraditionen. Gerade diese Vielfalt macht unseren Glauben spannend und fruchtbar. Bunt und musikalisch wird es, wenn am Dienstag, den 1. August 19.00 Uhr in der Rüsseinaer Kirche 50 Großenhainer Jugendliche mit über 20 Mexikanern ein Konzert geben. Zuvor gibt es ein Grillfest auf dem Pfarrhof. Wir wollen Farbe bekennen. Schwarz sehen jedenfalls wollen wir nicht.

Pfrarrer Dr. Jochen Hahn, Rüsseina