Drei Bäume für Großenhain

Von Konrad Adolph
Bekanntlich befinden wir uns im Jahr des Reformationsjubiläums. Vielerorts finden diverse Gedenkveranstaltungen statt und Großenhain macht da keine Ausnahme, wenngleich auf eigene, originelle Weise: Nach dem Gottesdienst am 7. Mai wurden drei Zieräpfel gepflanzt im Gedenken an drei geschichtlich bedeutende „Kinder“ der Stadt Großenhain, die regional und überregional in der Reformationszeit wirkten. Umrahmt von den Klängen des Posaunenchores wurden die Tafeln enthüllt, die Bäume begossen und mit einem Bibelwort den Personen gewidmet. Urban Ottenbach (geb. um 1509 in Meißen, gest. um 1561 in Großenhain) war Bürgermeister der Stadt Großenhain vom 1544-1560 und setzte hier die Reformation maßgeblich durch. Er war als Rektor, Philologe und Philosoph an der Lateinschule tätig, wo er sich in kurzer Zeit einen außergewöhnlich guten Ruf erarbeitete, so dass er 1544 als Ratsfremder zum regierenden Bürgermeister gewählt wurde und die Stadt unbeschadet durch den Schmalkaldischen Krieg führte, in dem er Großenhain ohne Gegenwehr dem ernestinischen Kurfürsten übergab. Der zweite Zierapfel ist Caspar Borner, der um 1492 in Großenhain geboren wurde. Hier ist er auch zur Lateinschule gegangen. Seine Begabungen sprechen für sich: Er war Theologe, Philologe, Jurist, Mathematiker und Astronom. Ab 1522 ist Borner Rektor der Universität Leipzig geworden und führte hier die Reformation an der Universität ein. Ein bleibendes Vermächtnis war auch die Gründung des Universitätsarchivs, das durch ihn veranlasst wurde. Er verstarb am 2. Mai 1547 in Leipzig. Sein Epitaph ist erhalten und restauriert am Universitätscampus zu sehen (Wiedererrichtete Paulinerkirche). Und schließlich ist Johannes Reimann zu nennen. Um 1501 wurde er in Coburg geboren. Schon seit 1527 zählte er zu den Getreuen von Martin Luther und Philipp Melanchton. Bevor er 1539 nach Großenhain als erster Superintendent kam, war er Pfarrer in Heitlingen und Werdau. Offenbar war er ein sehr unerschrockener Prediger. Deftige Strafpredigten zeugen von seinem Willen, Missstände anzuprangern, reformationsfeindliches Verhalten der Nonnen des Großenhainer Klosters und diverser Amtspersonen nicht unter den Teppich zu kehren. Allerdings brachte ihm dies auch den Verlust seines Amtes 1543 ein, da es Klagen gegen ihn gab. Luther bedauerte den Verlauf der Dinge, konnte aber im Lande eines Moritz von Sachsen nicht seinen Einfluss geltend machen. Reimann verstarb um 1549 in Beeskow. Dass es sich bei den Bäumen um Zieräpfel handelt, ist dabei nicht zufällig, sondern ein Anklang an Luthers hoffnungsvollen Satz: Selbst wenn morgen die Welt unterginge, würde ich noch heute ein Apfelbäumchen pflanzen. Bleibt zu wünschen, dass die Bäumchen sich gut entfalten werden und dadurch an Persönlichkeiten wie auch an die Reformation erinnern, ohne die unsere Neuzeit gar nicht so denkbar wäre, wie sie von vielen für selbstverständlich gehalten wird.
Konrad Adolph ist Pfarrer im Kirchspiel Großenhainer Land