Ein Haus füllt sich mit Leben

Von Uwe Haubold

Schritt für Schritt, nicht in Siebenmeilenstiefeln. Das ist auch seinem Alter geschuldet, es nötigt zur Achtsamkeit. Auf dem Schlussstein über dem großen Eingangsportal Markt 10 steht die Jahreszahl 1747. Das neue Gemeindehaus der Ev.-Luth. Kirchgemeinde St. Afra im Herzen Meißens feiert somit in diesem Jahr sein 270jähriges Jubiläum. Immer wieder wurde an und in dem Haus gebaut und verändert, der jeweiligen Zeit und Nutzung entsprechend. Für Architekt, Fachplaner und Handwerker war es eine große Herausforderung, Denkmalschutz und eine zeitgemäße Nutzung in Einklang zu bringen. Manche Überraschungen, nicht immer zur Freude, traten erst beim Bauen zutage und brachten Zeit- und Kostenplan durcheinander. Die drei Etagen in Markt 10 verbindet seit eh und je ein breites Treppenhaus. Seine außergewöhnliche heutige Bemalung wurde nach Vorgabe der Denkmalpflege der ältesten vorgefundenen historischen Farbfassung nachempfunden. Dabei verwendeten die heutigen Maler nicht nur Bürsten und Pinsel, sondern auch Schaffellstücke. Wem der Aufstieg über die sanierten alten Sandsteintreppen zu beschwerlich ist, der kann den neu angebauten Aufzug an der Hofseite des Hauses nutzen. Durch ihn sind das Haus und der zukünftige Gemeindesaal barrierefrei für Rollstuhlfahrer und gehbehinderte Menschen erschlossen. Der Aufzugsturm bietet zugleich interessante Ausblicke auf Meißens „Freiheit“ in der Höhe.

Im Erdgeschoss links eröffnete am 19. November 2016 die „FAIREwelt Meißen“ ihr neues Ladengeschäft. Der Verkauf von fair gehandelten Lebensmitteln und Kunstgewerbeartikeln durch die vielen Ehrenamtlichen des Vereins ist ein wichtiger persönlicher Beitrag zu einem gerechteren Welthandel. Und jede und jeder von uns trägt mit seinem Einkauf in dem freundlichen Laden dazu bei. Nach Abschluss der Bauarbeiten am Gemeindesaal – voraussichtlich im Spätherbst diesen Jahres - wird auf der rechten Seite des Erdgeschosses ein Begegnungsraum der Ev. Kirchgemeinden in Meißen entstehen. In der ersten Etage sind die Büros der Kirchgemeinde eingezogen. Ein kleiner Gruppenraum mit historischem Holzdielenfußboden und schlichter Stuckdecke wird zu Besprechungen und kleinen Veranstaltungen genutzt. Daneben ist die noch leere Teeküche, die auch einen direkten Zugang zum Gemeindesaal ermöglicht. In der zweiten Etage befinden sich das Dienstzimmer des Pfarrers, das Büro des Fördervereins Frauenkirche Meißen e.V., ein kleines Archiv, ein Lager sowie die WCs für den Gemeindesaal. Unters Dach, in die dritten Etage, ist die Dienstwohnung des Pfarrers gekommen. In den vergangenen Wochen war es beeindruckend, wenn plötzlich in dieser Höhe Gerüstteile, gigantische Holzbinder u.a.m. für den zukünftigen Gemeindesaal vor den Fenstern schwebten. Nun steht der Rohbau, der große Baukran in der Burgstraße ist wieder abgebaut. Das Flachdach ist vorerst mit blauen Planen abgedeckt und sieht wie ein Schwimmbecken aus. Mit Fertigstellung wird es sich in ein Gründach verwandeln. Schritt für Schritt wird sich Markt 10 weiter füllen. Möge es ein Ort guter Begegnungen sein. Wir laden Sie herzlich dazu ein.

Uwe Haubold ist Pfarrer in der Ev.-Luth. Kirchgemeinde St. Afra Meißen