Luther und Weinböhla

– ist da was, oder war da was?
Von Norbert Reißmann

Nein, liebe Leserinnen und Leser, eine Verbindung zwischen beiden lässt sich, allen Bemühungen zum Trotz, nicht herstellen, aber einige engagierte Menschen aus unserer Kirchgemeinde haben es sich zur Aufgabe gemacht, das Reformationsjubiläum zu nutzen, um sich der Aktualität des damaligen Geschehens neu bewusst zu werden und die Auswirkungen bis in die heutige Zeit deutlich zu machen. Denn neben der Theologie haben vor allem auch bildende Kunst und Musik neue Wertschätzung erfahren. Eine Predigtreihe mit sieben Themen, die den Reformatoren um Martin Luther wichtige Anliegen waren, läuft bereits seit 31. Oktober 2016. Namhafte Gastprediger konnten dazu gewonnen werden. Höhepunkt der Weinböhlaer Reformationsfeierlichkeiten wird jedoch ein ganz besonderes Konzertprojekt am 13. Mai 2017, 18 Uhr, das als Wandelkonzert in St. Martinskirche, Zentralgasthof und dem historischen Weingut Peterkeller geistliche und weltliche Musik der europäischen Renaissance präsentiert. Das Ensemble Capella de la Torre (ECHO-Klassik-Preisträger 2016), das in seiner Besetzung mit historischen Blasinstrumenten wie Schalmei, Pommer, Posaune und Dulcian genau den Stadtpfeifereien des 16. Jahrhunderts entspricht, rekonstruiert unter Leitung von Katharina Bäuml zusammen mit Sängern und den Renaissance-Tänzern von Les Apricots in prachtvollen Kostümen die Atmosphäre und das Umfeld von Luthers Hochzeitsfeier. „Unerwarteterweise hat Luther die Bora geheiratet, ohne auch nur seine Freunde über seine Absichten zu unterrichten“, so berichtet entrüstet der Humanist Philipp Melanchthon nach der Hochzeitsfeier am 27. Juni 1525. Die Trauung zwischen dem Augustinermönch Martin Luther und der ehemaligen Zisterzienserin Katharina von Bora war bereits am 13. Juni vorausgegangen. Die von Melanchthon geäußerte kritische Haltung wurde von vielen Zeitgenossen geteilt, nicht nur wegen des ehemaligen Klosterstandes der beiden Ehepartner, sondern auch wegen der allgemein schwierigen Zeitläufte. In den Schlachten bei Frankenhausen am 15. Mai und bei Würzburg am 4. Juni 1525 waren tausende von aufständischen Bauern, gegen die Luther selbst kurz vorher in der Schrift „Wider die räuberischen und mörderischen Rotten der Bauern“ Stellung bezogen hatte, ums Leben gekommen. Wittenberg dagegen, wo die Hochzeit und die anschließenden Feierlichkeiten stattfanden, war von den Unruhen zu dieser Zeit weitgehend unberührt. Es ist davon auszugehen, dass aus Anlass der Vermählung des hochgestellten Paares die von den Stadtpfeifern ausgeführte standesgemäße Musik einen wichtigen Teil des Festes bildete, von der Begleitung beim Kirchgang am Morgen bis zu den zeremoniellen Tänzen am Abend. Die Ehe hatte nach einem solchen Auftakt durchweg positive Auswirkungen auf die Person des Reformators. Erasmus von Rotterdam berichtet: „Luther fängt jetzt an, milder zu werden, und wütet nicht mehr so mit der Schreibfeder; nichts ist so wild, dass es nicht beim Weibchen zahm würde“. Prachtvolle Musik dieser Zeit soll zum Konzert in Weinböhla erklingen. Lassen Sie sich einladen – zu Predigtreihe und Konzert! Wir freuen uns auf Sie!

Norbert Reißmann ist Pfarrer in Weinböhla

Info: LUTHER – EIN FEST. Musik, Tanz und Wein Wandelkonzert anlässlich des Jubiläums „500 Jahre Reformation“ mit Capella de la Torre und Les Apricots Sonnabend, 13.05.2017, 18.00 Uhr, St. Martinskirche, Zentralgasthof Weinböhla und Peterkeller Tickets zu 25,- € (inkl. 1 Getränk) ab sofort  in der Touristinformation Weinböhla, im Pfarramt Weinböhla sowie über das RerserviX-Vorverkaufssystem