Zeit für Nix

Von Mathias Tauchert
Manches haben wir uns vorgenommen für das neue Jahr. Die noch frei verfügbare Zeit des Jahres wird nun verplant und damit knapper: Das gilt im Privaten wie in Institutionen oder in einer Kirchgemeinde. Selbstverständlich überlegen die Kirchvorsteher, was man noch machen muss oder anbieten kann oder noch irgendwohin schieben könnte in 2017.  Im Pfarrbereich Burkhardswalde geht dieses Denken Einigen gegen den Strich – sie wollen im neuen Jahr nicht Lücken zupflastern, sondern Lücken schaffen. Bei den Sitzungen des Kirchenvorstandes wollen sie anfangen: Gewöhnlich ist nach den lästigen Verwaltungs- und Friedhofsangelegenheiten nur noch wenig Zeit fürs Eigentliche, Wichtige, für die Menschen, an die wir gewiesen sind und für den Austausch untereinander. Und das gilt auch für andere Zusammenkünfte an anderen Orten: Oft wird das wirklich Wichtige, und vor allem das Zwischenmenschliche, erst im Anschluss an eine Sitzung auf den Tisch gelegt, wenn man die Türklinke schon in der Hand hat oder noch eine Weile am Auto steht. Wir brauchen mehr von dieser Zeit, meinen wir in Burkhardswalde – und so könnte z.B. der Tagesordnungspunkt „Sonstiges“  bald – statt wie bisher an letzter - an erster Stelle stehen und in „Aktuelles“ oder „Wichtiges“ oder „Persönliches“ umbenannt werden. Das gilt auch für andere Veranstaltungen und Vorhaben im Neuen Jahr: Viele wünschen sich hochkarätige Vorträge vom Pfarrer oder eingeflogenen Referenten, und die wird es auch geben. Aber es hat auch einen Wert, wenn Zeit mit den Anliegen aus dem unmittelbaren Alltag gefüllt wird. Vielleicht lässt man mal offen, ob die Kindergruppen im neuen Jahr wieder ein Krippenspiel auf die Beine stellen, vielleicht finden sich ja auch Erwachsene oder Senioren. Und fehlt ein Organist, staunt man, was dann doch aus den eigenen Reihen für Talente an Licht kommen. Wo im Jahresplan Dinge offenbleiben, ungeplant, da werden entweder Menschen vor Ort kreativ und mutig und bringen sich ein, oder die Sache entfällt ganz entspannt mangels Engagement und Nachfrage. Wir möchten den Freiraum, um das einmal auszuprobieren. Wir haben von Kirchgemeinden gehört, die ein ganzes Sabbat-Jahr einlegen, in dem es bis auf einen wöchentlichen Gottesdienst gar keine Gemeindeveranstaltungen gibt. Am Ende der Zeit steht dann dort ein Meinungsbild, was wirklich gefehlt hat, und wer was mit Kraft und Freude wieder neu ins Leben ruft. – So weit wollen wir nicht gehen, aber wir nehmen es uns zu Herzen, dass manche sagen: Es ist für nichts mehr Zeit, und meinen damit solche Zeit, die noch nicht verplant ist, Zeit, in der man etwas machen kann, aber nicht muss. Also brauchen wir Zeit für Nichts, d.h. Zeit und Kraft jenseits der festgeklopften Tagesordnungen und Veranstaltungen. Diese Zeit wäre nicht verlorene oder ungenutzte Zeit, sondern Zeit, in der zwischenmenschliche Dinge wieder mehr an die Oberfläche kämen. Es sind in unseren Gemeinde alle willkommen, die mit ihrem Talent Gemeindeleben gestalten, aber auch solche, die Zeit zur Begegnung schaffen, Zeit für  (scheinbar) Nix.
Mathias Tauchert ist Pfarrer in der Kirchgemeinde Burkhardswalde