Leben und Verantwortung

Von Steffen Göpfert
Kennen sie Dan und Phil? Wenn nicht vielleicht LeFloid oder die Space Frogs?  Sagt ihnen Gronkh etwas oder coldmirror. Sie kennen alle nicht? Dann sie sie wohl kein Jugendlicher.  Diese ihnen  Unbekannten sind Youtube-Stars. Leute die regelmäßig Videos im Internet posten und ihre Sicht der Welt, ihre Wahrheiten, ihre Erlebnisse mit Millionen junger Menschen teilen. Sie brauchen keinen Zugang zu Zeitungen, zum Radio oder Fernsehen, um Meinungsmacher zu sein, nein sie können mit einer Kamera und einem internetfähigen Computer direkt mit anderen Jugendlichen kommunizieren. Die uns liebe Bildungsgesellschaft mit ihren Medien hat einfach ihre Deutungshoheit verloren und Jugendliche sind nicht mehr die zu führende Generation. Sie suchen sich selbst ihre Deutungen und entscheiden, wie sie die Welt sehen wollen. Wer das übersieht und nicht ernst nimmt, hat die Jugend verloren. Die Jugend will nicht mehr vorgelebtes nachleben, zumal sie ganz klar erkennt, das andere Generationen zwar über größere Lebenserfahrungen verfügen, aber unseren heutigen Problemlagen hilflos gegenüberstehen. Und so müssen wir begreifen, dass unsere Jugendlichen die Experten für ihr Leben sind und nicht die Autoritäten aus der Wissenschaft oder den Institutionen. Doch wie lassen sich die jungen Leute von heute denn ansprechen? Oder sind sie für alle Zeiten in den virtuellen Welten? Es gibt eine ganz einfache Möglichkeit mit Jugendlichen zusammen zu kommen. Man muss ihnen Verantwortung übertragen! Wobei es nicht um irgendwelche Hilfsarbeiten geht, sondern um wirkliche Verantwortung für Geld, Material, Veranstaltungen oder Menschen. Auf wunderbare Weise konnten wir das im letzten Jahr bei unserem Kindergeländespiel „Stinkstiefel“ erleben. Die jugendlichen Vordenker und Vordenkerinnen waren mehrheitlich zwischen 13 und 15 Jahren alt und hatten die Idee Computerspiele in Geländespiele zu verwandeln.  So hatten wir schon ein halbes Jahr vor Pokemon-Go, Monster die durch das Gelände streiften. Das wirkliche Aha-Erlebnis kam dann aber beim Spielen selbst. Wir hatten eine große Gruppe Flüchtlingskinder, die an diesem Nachmittag dabei waren, viele von ihnen konnten kein Deutsch. Doch auch diese Kinder hatten keine Probleme die Spiele zu verstehen, weil sie die Computerspiele kannten. So erlebten wir ein lebendiges,  buntes Kinderfest über alle Barrieren hinweg. Indem sich unser Jugendlichen mit ihren Ideen und Kompetenzen eingebracht haben, haben sie die Türen für die Kinder geöffnet. In der Evangelischen Jugend erleben wir diese Verantwortungsübernahme an vielen Stellen. So wird im Jugendgottesdienst am 3. Februar um 19.00 Uhr in der Trinitatiskirche Meißen unsere neue Bezirksjugendkammer eingeführt, die als Jugendgremium die wegweisenden Entscheidungen fällt. Sie trägt die Anliegen der Jugendlichen aus den verschiedenen Regionen des Kirchenbezirkes zusammen und überlegt welche Wege zu beschreiten sind. Im Februar gibt es wieder die Möglichkeit, an einer Jugendleiterschulung teilzunehmen. In den letzten Jahren haben 175 Jugendliche eine Jugendleitercard gemacht und übernehmen Verantwortungen bei den Rüstzeiten und Camps für Kinder und Jugendliche, in ihren Jugendgruppen und darüber hinaus auch jenseits kirchlicher Angebote. Indem wir den jungen Menschen eine Bühne für ihr Tun geben, können wir erleben, dass sie, wie ihre Youtube-Stars  andere Jugendliche begeistern und ihr Leben mit ihnen teilen. Wer Jugendliche nicht als verbesserungswürdiges Rohmaterial ansieht, sondern als Menschen mit einer ihnen innewohnenden Kompetenz, kann Wunderbares erleben, wenn sie Gott und die Welt entdecken und sich Glauben und Leben zu eigen machen.
Steffen Göpfert ist Jugendwart im Kirchenbezirk Meißen-Großenhain