Neujahr 2017

Von Matthias Fischer

Als Leitwort für das neue Jahr haben sich die evangelischen Kirchen den Satz aus der Bibel ausgewählt „Gott spricht: Ich schenke euch ein neues Herz und lege einen neuen Geist in euch.“  (Hesekiel 36, 26) Worte, wie gemacht für einen neuen Anfang, wie gemacht für neues Jahr.
Was geschieht, wenn Gott sagt, er werde uns Menschen im Herzen und im Geist neu machen? Lesen wir weiter: „Ich nehme das Herz von Stein aus eurer Brust und gebe euch ein Herz von Fleisch.“
Ein neues Herz und ein neuer Geist. Beides ist wichtig, beides brauchen wir. Angst macht auch heute Herzen hart: Die Sicherung des eigenen Lebens und der Wunsch nach Wohlstand können unempfindlich machen gegenüber der Gemeinschaft und dem Gemeinwohl.
In unserer Gesellschaft, die im wesentlichem auf wirtschaftlichem Wachstum und Wohlstand beruht, versuchen Menschen mitzuhalten mit der technischen Entwicklung, mit der Forderung, sich immer wieder Veränderungen anzupassen. Wir leben in einer modernen Sklaverei. Wir sind völlig unfrei diesen Entwicklungen gegenüber. Dass Herzen da auch hart werden, muss nicht wundern.
Aber nicht allein Angst lähmt und macht hart. Es gibt eine Unbeweglichkeit des Geistes, die sich abfindet mit dem Vorfindlichen und mit angeblicher Alternativlosigkeit. Das ist der Tod des Geistes. Es gibt eine Alternative. „Ich schenke euch ein neues Herz und lege einen neuen Geist in euch.“ Danach dürfen wir suchen und darauf vertrauen.
Unsere Welt, unsere Gesellschaft, unsere Nachbarschaft, das Miteinander in unserer Familie, ich und mein Leben brauchen immer wieder ein neues Herz und einen neuen Geist, wie Gott es uns verheißt. Es braucht Mut und Fantasie, um immer neu zu beginnen. Es braucht Mut, die Dinge beim Namen zu nennen, wie Hartherzigkeit, Unrecht, Missachtung und Unterdrückung. Es braucht Mut, sich den Herausforderungen und Bedrohungen für ein gerechtes und friedliches Miteinander zu stellen. Ich brauche ein lebendiges, mutiges Herz, das die Ängste vor dem Unsicheren im Leben nicht verdrängt, sondern sie zulässt und offen anspricht. Wir brauchen keine Tabus, was gesagt werden muss, muss gesagt werden. Es braucht einen wachen Geist,  der sich auch nicht täuschen lässt, die Dinge seien nun mal so, wie sie sind – und nicht zu ändern.
Neues Herz und neuer Geist – beides kann ich nicht selber schaffen durch eigene Anstrengung. Ich kann es auch nicht fordern. Ich kann aber hineintreten in den Raum, den diese Worte öffnen. Ich kann mich wieder bergen in Gottes Zusage, wenn mein Herz hart wird oder mein Geist müde.

Matthias Fischer ist Pfarrer in der Kirchgemeinde Niederau