Eine sächsische Schönheit in Sacka

Von Eike Staemmler
Lange stand die Orgel in Sacka unbeachtet in der Kirche. Sie ist seit  20 Jahren unspielbar und  zu einem grauen Mäuschen geworden. Vor vierzig Jahren wurde das Prospekt – das ist die sichtbare Orgelfassade – zugestrichen. Nun sieht es aus wie eine brave Laubsägearbeit. Es gibt jedoch neue und klare Hinweise, die auf einen unentdeckten Schatz hindeuten. Der Orgelfachmann Herr Vetter sagt, die Orgel sei eine sächsische Besonderheit. „Es ist eine pneumatisch angesteuerte mechanische Kegellade und in allen Teilen original erhalten.“ Was heißt das? Die beweglichen Teile werden durch Luft angesteuert wie im Bus die Türen. Die Orgel stammt vom Dresdner Orgelbauer Julius Jahn von 1902 und hat eine unveränderte Disposition. Breit und romantisch käme der Ton aus dem Instrument, etwas träge  und sächsisch - behäbig durch die Luftsteuerung. Es gab schon 1902 ganz unterschiedliche und der Mode unterworfene Klangauffassungen. In Sacka nicht spitz und scharf wie Paprika, sondern breit und flächig wie Senf. Ich selber mache mir das immer daran deutlich, dass manchen Menschen der scharfe Ton wie ein Handy  in den Ohren klingelt. Sie bevorzugen lieber einen warmen und langsam fließenden Ton, wie eben unsere Elbe die Landeshauptstadt umschmeichelt. Das Prospekt mausert sich nach vorsichtigen Kratzarbeiten als ein von Anfang mit der Orgel konzipierte Gesamtkunstwerk. Entdeckt hat das der Restaurator Herr Peter Taubert. Eine Jugendstilarbeit vom Dresdner Dekorationsmaler Gustav Wiese zeigt stilisierte Blumenköpfe und deren Ranken in warmen Ocker- und Grünfarben. Das belebt den Kirchenraum erheblich. Das war 1902 ziemlich modern und vielleicht zu sehr gewagt. Darum wurde es dann auch überstrichen. Heute sehen wir das wieder anders und freuen uns, wenn Ohr und Auge gleichermaßen verwöhnt werden. Angestoßen hat diese beiden Entdeckungen der Frauenchor „Sacka singt“ unter der Leitung von Jane Taubert. Er hat einen großen Teil der Spenden durch regelmäßige und gehaltvolle Konzerte in der Kirche zusammengetragen. Er bleibt am Ball und sammelt für die Orgelfassade „Wiesenblumen“. Das sind Gebetsblüten aus Papier gebastelt, die in der Kirche schon zum Advent die Kirche schmücken werden.  Sie erinnern mit Namen an einen lieben Menschen und machen das Andenken persönlich. Man erwirbt sie für 10 Euro, die der Orgelfassade zu gute kommen. Bis die Orgel wieder spielt ist es allerdings noch ein langer Weg. Erst muss ihr Innerstes ausgebaut werden. Dann müssen statische Sicherungen über dem Instrument vorgenommen werden. Dann wird das Prospekt wieder aufpoliert und dann erst kann mit der Restauration der Orgel angefangen werden. Gut Ding will Weile haben. Vor der Schönheit steht die Arbeit.
Eike Staemmler ist Pfarrer in Sacka