Ein Apfelbaum zum Reformationsfest

Von Matthias Bartsch
Wir leben in einer Zeit, in der viel von Reformen die Rede ist. Wir haben die Reform des Gesundheitswesens und die Arbeitsmarkt-Reform erlebt. Die Rente wurde reformiert. Inzwischen hat man aber gemerkt, dass sich dadurch ganz neue Probleme ergeben wie z.B. die drohende Altersarmut. Auch in der Kirche gibt es von Zeit zu Zeit Strukturreformen. (Übrigens sollte man da lieber von Strukturanpassung als von -reform sprechen.)  Am kommenden Montag haben wir in Sachsen einen Feiertag, der ebenfalls das Wort „Reform“ im Titel hat: Das Reformationsfest am 31. Oktober. Dieses Datum erinnert an die Veröffentlichung der 95 Thesen Martin Luthers vor 499 Jahren. Was mit diesem Ereignis begann, hat gewaltige Veränderungen nicht nur in der Kirche ausgelöst. Im Kern ging es Martin Luther aber um eine Rückbesinnung auf die Grundlagen des Glaubens.           Aus der Geschichte wissen wir, dass es damals große Auseinandersetzungen gegeben hat. Neue Gedanken setzen sich nicht von selbst durch. Und gerade wenn sie Althergebrachtes, über Jahrhunderte Gelebtes in Frage stellen, lösen sie viel Widerstand aus. So war es zum Beispiel auch mit Luthers Thesen über die Missstände in seiner damaligen Kirche. Martin Luther selbst hat die Folgen dieser Auseinandersetzungen auch persönlich zu spüren bekommen. Für ihn und seine Mitstreiter waren es schwierige Zeiten, in denen ihm oft auch Zweifel kamen. Aber mit großem Gottvertrauen ist er seinen Weg gegangen. Ausdruck dieses Gottvertrauens ist auch ein Satz, der ihm zugeschrieben wird: „Wenn ich wüsste, dass morgen die Welt unterginge, würde ich heute noch ein Apfelbäumchen pflanzen.“ Auf den ersten Blick klingt das unlogisch. Ein Baum braucht Zeit, um zu wachsen und sich zu entwickeln. Und es dauert lange, bis er Früchte trägt. Aber der Baum wird zum Symbol der Hoffnung: Gott wird etwas wachsen lassen. Auch in schwierigen Zeiten müssen wir nicht den Kopf in den Sand stecken, sondern können etwas tun. Gerade in unserer heutigen Zeit ist das wichtig, wo so viel Resignation, so viel Mutlosigkeit da ist. Wir wollen diese Gedanken Martin Luthers in unserer Gemeinde aufnehmen. Am 31. Oktober feiern wir um 14.00 Uhr in der Stauchaer Kirche das Reformationsfest mit einem ICH-BIN-DAbei-Gottesdienst. (Diese Gottesdienste gibt es öfter in unserer Gemeinde. Sie heißen so, weil alle Gruppen, weil Junge und Ältere aktiv beteiligt sind.) Am Schluß des Gottesdienstes pflanzen wir dann einen Apfelbaum. Das wird ein besonderer Baum sein. Mitbringen wird ihn Catrin Just aus Burgstädt, die wir als Gast in unseren Gottesdienst nach Staucha eingeladen haben. Sie hat es sich zur Aufgabe gemacht, eine alte Apfelsorte – die „Burgstädter Renette“ –, die durch einen Zufall entdeckt wurde, für die Nachwelt zu erhalten. Sie nennt ihre Bäume „Hoffnungsbaum“ und versucht, bis zum Reformationsjubiläum am 31. Oktober 2017 500 Apfelbäume zu pflanzen.  Einer dieser „Hoffnungsbäume“ wird also auch in Staucha stehen – im Garten des Hauses Kirchstraße 1 – gut sichtbar für alle, die dort vorbeigehen. Und er wird an diesen Gottes-dienst erinnern und an die Reformation und an Martin Luther und seinen Ausspruch „Wenn ich wüsste, dass morgen die Welt unterginge, würde ich heute noch ein Apfelbäumchen pflanzen.“

Matthias Bartsch, Pfarrer in Staucha und Bloßwitz-Mautitz