Krautmarkt in Lommatzsch

Von Pfarrer Dietmar Saft

Am 11. September war Krautmarkt in Lommatzsch. Der Krautmarkt ist unser Stadtfest mit vielfältigem Engagement der Stadt, der Vereine, der Händler und Institutionen aus Lommatzsch. Viele ehrenamtliche Helfer bringen sich hier ein. Gäste aus nah und fern sind an diesem Sonntag in der Stadt. Der Krautmarkt beginnt mit dem Festgottesdienst in der Wenzelskirche. An diesem Sonntag ist die Kirche gut gefüllt. Schon Tage zuvor schmücken Gemeindeglieder die Kirche festlich. Erntegaben werden noch am Vortag abgegeben. Alles macht deutlich: Dieser Gottesdienst soll ein besonderer Höhepunkt für die Gemeinde und die Stadt sein. Lommatzsch feiert Erntedank. Für den Gottesdienst haben Konfirmanden einiges vorbereitet. Noch kurz vor Gottesdienstbeginn wird geprobt und besprochen. Mehr und mehr füllt sich die Kirche mit Besuchern. Die innere Anspannung steigt. Dann beginnt das Glockengeläut. Die Posaunen ertönen. Kinder mit Erntegaben ziehen mit Kirchvorstehern und Pfarrer feierlich ein. Der Gottesdienst hat begonnen. Die Kinder singen ein fröhliches Danklied. Danach singt die Gemeinde ein traditionelles Erntedanklied. Nun kommt die Zeit der Konfirmanden. Tradition ist wichtig, ja, aber was bedeutet dies in unserer Zeit? Dazu lesen sie in verteilten Rollen einen Bibeltext vor. Es geht um die Entstehung der Welt und um die Verantwortung der Menschen. Die ersten sieben Tage der Welt. Dem stellen sie eine eigene Bildpräsentation entgegen. Die unterschiedlichsten Probleme unserer Zeit klingen an. Die letzten sieben Tage der Erde.

Und danach predigen zwei Konfirmandinnen im Wechsel über Glaube und Naturwissenschaft, über Schöpfung und Verantwortung, über nachfolgende Generationen, darüber, wo ich als Mensch in der Welt stehe, welchen Stellenwert mein Menschsein hat und wie ich den anderen Menschen – auch aus fremden Ländern – achte und schätze. Von wegen „Erntedank ist nur Tradition“. Die jungen, fröhlichen Konfirmanden machen deutlich, was Erntedank für sie heute bedeutet. So bringen die Konfirmanden zusammen, was zusammen gehört. Danken und Denken. Später sagt ein Gottesdienstbesucher: „Das war ein festlich-fröhlicher, ein nachdenklicher Gottesdienst.“ Nach dem Gottesdienst wartet vor der Kirche bereits der Spielmannszug Lommatzsch. Denn Erntedank und Krautmarkt gehören in Lommatzsch zusammen.

In einem Umzug ziehen Spielmannszug, Bürgermeisterin, Pfarrer und die Gottesdienstbesucher bis zum Pfarrhof. Dort haben vier Kirchvorsteher einen großen Erntekranz geschultert. Mit ihm marschiert der gesamte Zug unter „klingendem Spiel“ zum Marktplatz. Nachdem die Feuerwehr den Erntekranz gegenüber dem Rathaus aufgezogen hat, eröffnet die Bürgermeisterin Frau Dr. Maaß mit dankenden Worten offiziell den Krautmarkt. Nun kommt das Stadtfest mit allen seinen Möglichkeiten und Angeboten zum Zuge. Zu all dem Geschehen strahlt die Sonne hell am Himmel. Neben den Verkaufsständen und Fahrbetrieben werden auch gern die ruhigen Angebote genutzt: die Spielangebote für Kinder im Bereich des „Offenen Hauses“ Lommatzsch, das Kaffeetrinken mit gespendetem Kuchen im Pfarrhof und zum Abschluss des Tages das Orgelkonzert in der Kirche.

„Danken und Denken“ – Erntedankfest und Krautmarkt - Tradition und Ausblick.

In Lommatzsch gehört dies alles zusammen an diesem 11. September 2016.

Dietmar Saft ist Pfarrer in Lommatzsch